Dümpel-Diving in Dänemark

Wir lieben es, Urlaub in Dänemark zu machen. Und dieses Jahr sind wir nicht nur im Winter dort und das brachte uns auf den Gedanken, doch einfach mal unser Tauchgerödel mitzunehmen.
Ralf hat im Vorfeld ein wenig im weiten Netz recherchiert. Eine Seite mit Tauchplätzen vom Strand aus (denn noch mehr Aufwand mit Boot usw. wollten wir nicht treiben) und natürlich eine Möglichkeit, um neue Luft zu bekommen, waren sehr hilfreich.
Unser Urlaubsort ist Lemvig in Jütland am Limfjord. Allerdings ist auch der westliche Ausgang des Fjords, der sich ja durch ganz Jütland zieht, nicht weit und somit ist auch die Nordsee in der Nähe.
Die ersten beiden Tauchgänge machten wir dann zum Warmwerden von Gjelllerodde aus. Das ist die Landzunge, auf der wir in unserem Ferienhaus wohnten. Ganz genau vom Nordstrand aus; sozusagen das Hausriff. Die Wassertemperatur war überraschend angenehm; wie im heimischen Giftener See oder vielleicht 1 oder 2 Grad wärmer. Aber der Limfjord ist außer an ein paar Stellen nix für Tiefenjäger! Wir haben dort mit Mühe 4m erreicht. Es ist ein komplett anderes Tauchen gewesen; manche würden es vielleicht gar nicht so nennen. Aber unserer Meinung nach, hat sich auch das gelohnt. Die Sicht war nicht schlechter als im See….okay…Fische gab es auch eher wenig

Ein paar Plattmänner (Flundern) sieht man aber meist. In annehmbarer Größe oder in Eurogröße als Brut. Und es war bunt. Wir sahen Seeanemonen und Seenelken zwischen den vielen durch unsere Anwesenheit aufgeregten Strandkrabben. Sogar Gespensterkrabben haben wir auf diesen 2 Tauchgängen dort gesehen und eine Fadenschnecke (freu!).
Am nächsten Tauchtag machten wir uns auf an die Nordsee. Ralf hatte viel von der Agger Mole gelesen. Der beschriebene Ausgang vom Limfjord wird dort südlich von Thyborön und nördlich von Agger eingerahmt. Es verkehrt eine Fähre. Wir fuhren zur Mole….also das hatten wir vor. Leider ist der Parkplatz doch etwas entfernt davon. Wir inspizierten die Örtlichkeit und entschieden uns, es auf uns zu nehmen. 15 min Fußweg zum Wasser; dann waren wir an der Mole; Nordseite also Nordsee. Die See war ruhig (natürlich, sonst nicht ratsam) und nach zu Atem kommen ging es ans Paddeln. Denn es wurde geraten, die Hälfte der Länge erstmal zu schwimmen. So taten wir also…wie befohlen still und ruhig….und tauchten dann ab. Die Sicht war dennoch nicht so toll und wir suchten die Steine ab und schwappten mit den Nordseewellen ein bisschen hin und her. Hier fanden wir sie nun…die großen Kumpel der Strandkrabben: die Taschenkrebse, die sich nicht locken ließen und blieben, wo sie gerade steckten. Und Seespinnen gab es zu sehen und einen ganzen Kindergarten von Einsiedlerkrebsen. Und schon wieder eine Schnecke! Dennoch entschieden wir uns gegen einen zweiten Tauchgang an dieser Stelle und schauten uns den nächsten Platz an. Nach über einer Stunde im Wasser (14°C) waren wir schon einigermaßen kaputt aber da es an Helligsö Tegl (Ziegel Werk) echt nach easy diving aussah (wer schon da war: Bonaires Salt Pier in klein), stürzten wir uns in die Fluten. Wieder gemäß des Spruchs: „Ich geh dann schon mal los (bis ich paddeln oder abtauchen kann)!“; denn auch hier liegt das Ziel am Ende des Steges. Hier soll es Steingrund und damit mehr Leben geben. Und das tat es auch! Wir sind schon wieder über Schnecken gestolpert; Seehasen beim Liebesspiel. Und dann…am herausguckenden Fühler erkannt: Hummer! Da lagen sie majestätisch in ihrem Versteck. Und das in 4m Tiefe! Und ließen sich nicht stören (haben wir auch nicht!). Von einem Exemplar haben wir die Größe lediglich erahnen können, weil wir nur die riesige Schere erkennen konnten. Ganz beseelt und nach abermals über einer Stunde Wasseraufenthalt rattenkaputt, fuhren wir zu unserer Luftquelle. Für den Betreiber war es unverständlich, dass wir die Hummer nicht mitgenommen haben. Sich das Abendessen zu besorgen, sei für ihn, wie für die meisten anderen Dänen der einzige Grund tauchen zu gehen…
Nun die Geschmäcker, Vorlieben beim Tauchen und überhaupt Pläne für den Urlaub sind ja verschieden und das ist auch gut so!

Leider kam in der 2. Woche ein stürmischer Wind auf, der trübes Nordseewasser in den Fjord drückte, wodurch sich die Sicht deutlich verschlechterte. Trotzdem haben wir uns danach noch einmal unter Wasser begeben und erneut die Hummer besucht.


Wir haben jedenfalls für uns festgestellt, dass es viel mehr Buntes und Interessantes zu sehen gab, als wir erwartet hatten. Wir haben den Ausflug in die nordische Unterwasserwelt sehr genossen und werden ihn sicher mal wiederholen.
Vi ses!

 

Weitere Informationen:

Zu Tauchplätzen: stranddyk.dk

Luft, Tauchequipment und auch geführte Bootstauchgänge (dann auch mal tiefer): Jysk Fritid (jyskfritid.dk)

Detaillierte Seekarten für den Limfjord mit Tiefenlinien findet man bei kajaklimfjord.dk

Wetter, Tiden und stundengenaue Strömungsvorhersagen (diese kann an exponierten Plätzen sehr stark sein!) findet man auf der Seite des Dänischen Meterologischen Institutes (dmi.dk)

Grundsätzlich dauert es nach starkem Wind ca. 2 Tage bis die Sicht wieder ok ist. Sichtweiten: im Sommer 3-5 m, im Winter wohl aber auch mal gut 10 m.

Unter- und Überwasser am Limfjord